Wie du dich schützen kannst:

Interview: „Wer kann mir helfen?“
Wir haben mit Mara Stone vom Jugendnotdienst gesprochen. | » zum Interview

Unterscheide: Handelt es sich um eine Situation, die so schlimm ist, dass sie sofort aufhören muss? Oder geht es schon lange so und du kennst es gar nicht anders. Willst du das aber nicht mehr aushalten müssen und willst deshalb den nächsten Schritt planen?

Sofortmaßnahmen im Notfall:

Es gibt Situationen, die sofort beendet werden müssen. Da gibt es keine Zeit, nachzudenken und einen Plan zu machen. Das kann der Fall sein, wenn du akut von Gewalt bedroht bist oder geschlagen wirst oder dabei bist, wenn z.B. deine Mutter misshandelt wird. Es ist auch der Fall, wenn die Erwachsenen um dich herum gar nicht mehr in der Lage sind, dich zu schützen und für dich zu sorgen. Dein Gefühl bestimmt das Tempo. Wenn du große Angst hast und dir die Situation über den Kopf wächst, schütze dich.

  • Rufe Polizei, Feuerwehr, Kindernotdienst, Jugendnotdienst, Mädchennotdienst, Erwachsene. Rufe sie lieber ein Mal zu viel als ein Mal zu wenig!
  • Wenn du eingeschlossen bist, rufe laut um Hilfe oder versuche, auf dich aufmerksam zu machen.
  • Nutze Situationen, in denen du sicher bist, um Hilfe zu holen: zur Schule gehen, einkaufen gehen, zum Arzt gehen.
  • Lasse andere wissen, wie es dir geht und bitte sie, für dich Hilfe holen.
  • Wenn du weg gerannt bist, melde dich bei der Polizei oder bei den Notdiensten. Sie helfen dir weiter.

Planen und Organisieren von Hilfe:

Es gibt Situationen, die schlimm sind. Du hältst sie aber schon so lange aus - auf ein paar Tage mehr oder weniger kommt es nicht an. Es gibt Dinge, die in der Vergangenheit vorgekommen sind und wieder passieren könnten. Für diesen Fall möchtest du einen Notfallplan haben.

  • Habe genug Geld bei dir, um jederzeit einen Fahrschein kaufen oder eine Taxifahrt bezahlen zu können. Vergiss nicht: Die Notdienste holen dich von überall in der Stadt ab oder lassen dich mit einem Taxi auf ihre Kosten zu sich bringen.
  • Habe immer eine Prepaid-Karte für dein Handy dabei, damit du Hilfe rufen kannst. Die Polizei (110) kann man auch ohne Guthaben auf dem Handy anrufen.
  • Du kannst ein Erkennungswort mit Menschen verabreden, denen du vertraust: Wenn du das Wort am Telefon nennst, wissen alle, dass die Polizei zu euch geschickt werden soll.
  • Informiere dich: finde heraus, was es an Hilfen gibt.
  • Vergiss nicht, dass da draußen Menschen sind (Profis wie Freunde), die wollen, dass es dir gut geht und die bereit sind, dich zu unterstützen.
  • Entscheide dich für einen ersten kleinen Schritt.
  • Gehe diesen Schritt.
  • Überprüfe, ob dieser Schritt dir geholfen hat.
  • Mache weiter mit dem, was dir hilft. Lasse sein, was dir nicht hilft.
  • Suche die Nähe von Menschen, die dir Mut machen und dir Kraft geben.
    Vermeide Menschen, die dir Mut nehmen und dich schwächen.

Übrigens: wenn du dich schützt, schützt du auch andere. Wie? Egal, wen du zu Hilfe rufst, diese Helfer sehen nach dir, aber nicht nur nach dir. Sie kümmern sich auch um deine Geschwister und bieten den Erwachsenen Hilfe an.