Sabine G.

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Interview: Was ist ein Frauenhaus?

Wir sprechen mit Sabine G., die in einem Frauenhaus arbeitet.

Frauenhäuser bieten Frauen und ihren Kindern im Falle von häuslicher Gewalt Hilfe, Beratung und vorübergehend eine geschützte Unterkunft.

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Sabine, du hast vor dem Interview gesagt, dass wir deinen Nachnamen nicht nennen sollen, warum?

Wir arbeiten in einem Frauenhaus, wo die Adresse auch geheim ist.
Wir sind für Frauen da, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, und das nehmen uns einige Männer übel. Deshalb schützen wir uns und die Frauen auch so gut wir können und bleiben mit der Adresse geheim.

Was ist ein Frauenhaus?

Es ist ein Ort, an dem Frauen Schutz finden können, wenn sie von Gewalt betroffen sind. Hier können Frauen mit ihren Kindern wohnen, bis sie eine eigene Wohnung gefunden haben. Die Frauen organisieren ihren Alltag selbstständig, d. h., sie kochen und putzen und betreuen ihre Kinder selbst. Männer dürfen nicht ins Haus.

Wie kommen die Frauen denn zu euch?

Die Adresse von unserem Frauenhaus ist ja geheim. Frauen können telefonisch zu uns Kontakt aufnehmen. Wir treffen uns mit ihnen an einem neutralen Ort, wo sie auch ungefährdet sind. Erst wenn sie und wir uns sicher sind, dass wir zueinander passen und dass wir die richtige Hilfe sind, nehmen wir die Frauen auf. Sie müssen uns versprechen niemanden zu verraten, wo sie sind. Sie würden sonst nicht nur sich, sondern auch alle anderen Bewohnerinnen gefährden. Und wir erzählen natürlich auch niemanden, wer bei uns lebt.

Was genau bietet ein Frauenhaus denn an?

Ein Frauenhaus bietet bedrohten Frauen in erster Linie Schutz vor Misshandlungen an und eine Unterkunft. Sie haben hier die Möglichkeit, sich von ihren Erlebnissen zu erholen. Sie können in der Gemeinschaft der Bewohnerinnen und Mitarbeiterinnen sich mit den eigenen Erfahrungen auseinandersetzen und lernen, neue Lebensperspektiven innerhalb oder außerhalb der Partnerschaft zu entwickeln.

Gibt es bestimmte Aufnahmebedingungen?

Betroffene Frauen können zu jeder Tages- und Nachtzeit kommen. Das Haus ist offen für Frauen und Kinder jeder kulturellen Herkunft. Der Aufenthalt ist freiwillig, anonym und kostenlos. Alkohol- und drogenabhängige Frauen können wir aber leider nicht aufnehmen, weil sie eine intensivere Form der Betreuung brauchen.

Und wie sieht eure Unterstützung konkret aus?

Es gibt immer viel zu tun. Manches davon ist bürokratisch wie Anträge auf eine finanzielle Unterstützung vom Staat stellen oder die rechtliche Situation, was das Umgangsrecht der Väter betrifft, klären. Ganz wichtig ist die Unterstützung bei der Wohnungssuche. Die Bewohnerinnen und ihre Kinder haben viel Schlimmes erlebt, sonst wären sie nicht zu uns geflüchtet. Mit den Folgen dieser Erfahrungen müssen alle Betroffenen ja klarkommen. Dabei vor allem brauchen Sie unsere Unterstützung.

Was sollten Frauen mitbringen, die zu euch kommen?

Wenn sie es schaffen, ist es hilfreich, wenn sie wichtige Dokumente dabei haben, wie Personalausweise, die Krankenkassenkarte, evtl. Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung, Sorgerechtsbescheide und, und, und. Es ist gut, an Geld und Kreditkarte und an Schulsachen und Lieblingsspielzeug der Kinder zu denken.
Im Notfall aber brauchen sie gar nichts mitzubringen, um ins Frauenhaus zu kommen! Hauptsache sie kommen heil bei uns an.

Gut, dass es so was wie die Frauenhäuser gibt. Danke für das Gespräch.

Ich danke dir.