Mara Stone am Telefon

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Nathan ruft beim Kindernotdienst an

Die Vorgeschichte

Nathan, 12 Jahre alt, sitzt zu Hause und denkt mal wieder darüber nach, dass er mit jemandem über seine Eltern reden will. Er ist sich nicht sicher, ob sie wirklich zu streng sind oder ob ihm das nur so vorkommt. Wenn er sich mit anderen vergleicht, findet er, dass er zu viele Pflichten und zu wenig Rechte hat. Er hat neulich in der U-Bahn die Werbung des Kindernotdienstes gesehen und sich die Telefonnummer aufgeschrieben. Er ruft da an und spricht mit dem Sozialarbeiter Herrn Stefan Müller.

Der Anruf

Nathan: Guten Tag, ich weiß gar nicht, ob ich richtig bin.

Stefan Müller: Das werden wir gleich wissen. Wie heißt du denn und wie alt bist du?

Ich heiße Nathan und bin 12.

Nathan, was kann ich für dich tun?

Ich habe da eine Frage, aber vielleicht ist sie nicht so wichtig.

Frag einfach, mal sehen, ob ich dir helfen kann.

Ich glaube meine Eltern sind zu streng, aber ich weiß es nicht genau. Meine Kumpel dürfen fast alle in der Woche bis 21 Uhr weg und am Wochenende können schon einige so lange weg bleiben wie sie wollen. Ich muss in der Woche um 19 Uhr zu Hause sein und am Wochenende bis auf große Ausnahmen um 21 Uhr. Und meine Eltern wollen immer wissen, wohin ich gehe und mit wem ich mich treffe!

Ich kann verstehen, dass es dich wurmt, wenn andere mehr dürfen als du. Aber weißt du, deine Eltern haben die elterliche Sorge für dich, d. h., sie haben die Pflicht für dich zu sorgen und dich vor Gefahren zu schützen. Und sie bestimmen über deine Ausgangszeiten. Allerdings sollten sie deine Meinung berücksichtigen. Deine Ausgangszeiten sind nicht besonders streng ausgelegt. Und dass sie wissen wollen, wohin du gehst und mit wem du zusammen bist, zeigt doch auch, dass sie sich für dich verantwortlich fühlen und sich für sich interessieren, oder?

Doch stimmt schon. Aber das ist noch nicht alles. Ich muss im Haushalt mithelfen, keiner meiner Freunde muss so viel zu Hause machen wie ich.

Was musst du denn alles tun?

Mein Zimmer aufräumen, ist ja klar. Aber auch einkaufen, Müll runterbringen, das Bad putzen, Blumen gießen und auf meinen kleinen Bruder aufpassen.

Kaufst du immer alleine für die ganze Familie ein?

Nein, meist kauft meine Mama ein, aber wenn sie keine Zeit hat, gehe ich. Müll runterbringen und ein Mal in der Woche das Bad putzen, das muss ich aber immer machen.

Und wie oft passt du auf deinen Bruder auf.

Ab und zu zwischendurch mal und dann ein Mal in der Woche für ein paar Stunden, wenn Mama beim Yoga und Papa beim Fitness ist. Dafür bekomme ich 5 Euro.

Zahlen müssen Eltern ihren Kindern nichts fürs Helfen, nett, wenn deine Eltern es einfach so machen. Du lebst mit deinen Eltern und deinem Bruder in einer Gemeinschaft zusammen. In einer Gemeinschaft hat jeder Pflichten und Rechte. Je nach Alter und Reifegrad ist Kindern zuzumuten, ihren Anteil an Pflichten zu übernehmen. Fühlst du dich denn noch nicht reif genug für deine Aufgaben? Ich meine das ernst. Denn wenn du dich überfordert fühlst, müsste mit deinen Eltern darüber verhandelt werden, was du schaffst und was nicht.

Nee, ich krieg das schon hin.

Gibt es bei dir zu Hause auch Zeiten, in denen ihr miteinander spielt oder tobt oder was unternehmt? Oder geht es immer nur ums Aufräumen und Einkaufen und solche organisatorischen Dinge?

Nee, so ist es nicht! Am Wochenende machen wir eigentlich immer was zusammen, manchmal bleiben wir den ganzen Sonntag im Schlafanzug und machen uns es richtig gemütlich. Oder Papa und ich bauen was in unserer Garage.

Klingt gut! Sag Nathan, sind deine Fragen beantwortet worden oder gibt es noch etwas, was du fragen willst.

Erst mal nicht. Wenn ich aber irgendwann mit meinen Eltern wegen irgendwas streite, kann ich dich anrufen?

Du kannst jederzeit im Kindernotdienst anrufen. Ich werde nicht immer da sein, denn wir arbeiten rund um die Uhr in Schichten. Aber meine Kollegen werden dich genau so gut beraten können. Wenn es dir schwer fällt, mit deinen Eltern zu reden und zu verhandeln, kannst du auch mit ihnen zu uns zu einer Beratung kommen. Wir können ganz gut zwischen Eltern und Kindern vermitteln. Man muss nicht erst in eine Beratungsstelle gehen, wenn alles schon ganz schlimm ist. Man darf auch kommen, weil man nicht will, dass es überhaupt erst schlimm wird. Dann mache es gut, Nathan.

Du auch. Tschüß.