Mara Stone am Telefon

Mit dem Flash Player kannst du den Anruf auch anhören.

Melanie ruft beim Jugendnotdienst an

Die Vorgeschichte

Melanie, 14 Jahre alt; ist vor zwei Tagen von zu Hause weggelaufen, weil ihr Vater betrunken war und ihre Mutter zum ersten Mal angegriffen hat. Als ihre Mutter sich weigerte, mit Melanie die Wohnung zu verlassen, ist sie alleine raus. Sie hatte es schon lange satt, immer wieder mit ansehen zu müssen, wie ihr Vater ausrastet. Ihre Mutter und sie lebten in der ständigen Angst, dass er sie auch mal schlagen könnte. Nun war es passiert.

Zunächst hat Melanie bei ihrer Freundin Nadine schlafen können. Heute hat deren Mutter mitbekommen, dass Melanie von zu Hause weggerannt ist. Sie fordert sie auf, sofort ihre Wohnung zu verlassen. Und das, obwohl es schon 23 Uhr ist. Melanie und Nadine verlassen zusammen das Haus. Melanie ruft von einer Straßenecke in Neukölln den Jugendnotdienst an. Die Sozialarbeiterin Frau Stone kommt an den Apparat.

Der Anruf

Melanie: Hallo, ist da der Jugenddienst oder wie das heißt?

Ja, hier spricht Frau Stone vom Jugendnotdienst. Was kann ich für dich tun?

Ich bin von zu Hause abgehauen und weiß nicht, wo ich hin soll.

Wie alt bist du denn und wie heißt du?

Ich heiße Melanie und bin 14 Jahre alt. Aber hier ist noch meine Freundin Nadine bei mir. Die ist auch 14.

Hallo Melanie. Ist Nadine auch von zu Hause weggelaufen?

Ja. Nadine will mich nicht alleine lassen. Ihre Mutter hat mich aus der Wohnung geworfen, da habe ich zwei Nächte geschlafen.

Und wo seid ihr jetzt?

An so einer Straßenecke.

Und nach Hause willst du nicht gehen?

Auf keinen Fall! Nach Hause gehe ich nicht! Da bleibe ich lieber auf der Straße!

Langsam Melanie, niemand will, dass du auf der Straße bleibst. Und niemand zwingt dich, nach Hause zurückzugehen, ohne zu wissen, was bei dir los ist. Du kannst erstmal hierher kommen. Wir helfen dir gerne weiter.

Ruft ihr dann meine Eltern an?

Wenn du herkommst, wirst du beraten. Dann wissen wir, wie es dir geht und was du dir wünschst und bekommen eine Ahnung, wie wir dir helfen können. Und ja, wir müssen deine Eltern anrufen und informieren, dass du bei uns bist. Sie haben ein Recht darauf, zu wissen, dass du in Sicherheit bist und sie sich keine Sorgen um dich machen müssen. Wir hören uns ihre Seite der Geschichte an und entscheiden dann, ob wir sie zu einem Gespräch einladen. Und klären mit dir zusammen, ob du daran teilnehmen willst oder nicht. Aber vielleicht ist das alles für heute Nacht zu viel und es bleibt beim Gespräch mit dir und einem Telefonat mit deinen Eltern. Wir werden sehen. Wärst du bereit, mit Nadine in den Jugendnotdienst zu kommen?

Ja, aber wie sollen wir da hinkommen? Ihr seid in Charlottenburg, nicht?

Du sagst mir gleich, wo ihr genau steht und ich schicke ein Taxi zu euch, das euch in den Jugendnotdienst bringt. Wir zahlen die Fahrt. Es ist uns wichtig, dass ihr nicht alleine durch die Nacht fahrt und sicher bei uns ankommt. Ok?

Ja, ok.

Und so ging es weiter

Nadine wird von Herrn Özkan und Melanie von Frau Stone beraten. Nadine ist nur von Zuhause weg, weil sie ihre Freundin nicht alleine lassen wollte. Nun möchte Nadine wieder nach Hause. Ihre Mutter ist erleichtert zu hören, dass sie im Jugendnotdienst ist und sofort bereit, sie abzuholen. Nadines Mutter wird bei der Abholung darauf hingewiesen, dass sie auch für fremde Kinder Verantwortung trägt. Sie hätte sich darum kümmern müssen, wohin Melanie gehen kann, anstatt sie einfach nachts rauszuwerfen.

Melanie öffnet sich im Gespräch mit Frau Stone und erzählt unter Tränen, wie oft sie die aggressiven Ausbrüche ihres Vaters ertragen musste. Als er jetzt zum ersten Mal ihre Mutter geschlagen hat, wusste sie, dass eine Grenze überschritten worden war. Deshalb hat sie vor zwei Tagen die Flucht ergriffen. Sie glaubt, dass ihre Mutter bereit wäre, alles zu tun, damit es zu Hause besser wird. Sie kann sich nicht vorstellen, dass ihr Vater mit dem Trinken aufhört und seine Aggressionen in den Griff bekommt. Aber sie würde sich das sehr wünschen. Sie möchte auf keinen Fall wieder nach Hause, ohne dass sich was geändert hat, und heute Nacht nicht mehr mit ihren Eltern reden oder sie sehen. Aufgrund der Uhrzeit und Melanies Erschöpfung geht Frau Stone auf diesen Wunsch ein. Sie informiert die Eltern telefonisch, dass Melanie im Jugendnotdienst ist und bleibt und dass am nächsten Tag das Jugendamt eingeschaltet und ihren Bericht erhalten wird. Melanies Mutter hatte sich große Sorgen um sie gemacht und ist erleichtert, dass sie im Jugendnotdienst ist. Sie räumt ein, dass ihr Mann seine Wut nicht immer kontrollieren kann und äußert, dass sie sich sehr wünscht, dass Melanie bald wieder nach Hause kommt. Im Hintergrund ist der Vater zu hören, der nicht mehr nüchtern zu sein scheint.

Alle weiteren Schritte werden am Folgetag mit dem Jugendamt abgesprochen. Melanie ist bis zur Klärung der weiteren Hilfe an einem sicheren Ort und bei Menschen, die sie schützen werden.